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Die Druckvorstufe
Die Frage nach der Druckvorstufe stellt sich insbesondere bei der Vorbereitung zur Bedruckung von Werbeartikeln immer wieder. Dabei kommen häufig eine Fülle von Fragen auf, die nicht selten Anlass zum Grübeln geben und unter diesen Umständen zu Missverständnissen führen können. Nicht jedem, der mit Werbemitteln und ihrer Kennzeichnung zu tun hat, ist klar, was zum Beispiel unter dem simplen Begriff Druckvorlage zu verstehen ist oder was der Unterschied zwischen einem Litho und einem Film ist. Wann und wo wird ein Farbsatz benötigt, und was bedeutet HKS oder Pantone oder was versteht man zum Beispiel unter einem Ausfallmuster? Hinter Begriffen wie reprofähig, Tonwert, Überfüllung, Passerkreuze, Rasterweite, Mitteltöne, Moiré und anderen verstecken sich drucktechnische Begriffe mit konkreten Definitionen. Ohne das Wissen darüber ist es unter Umständen schwierig, sich mit den beteiligten Personen sachlich und sprachlich auseinanderzusetzen. Die deutsche Sprache ist voll von Fachbegriffen. Doch der “Terminus technicus” wird oft zum vokabularen Fallstrick bei der Deutung drucktechnischer Begriffe. Man versteht häuftig kein Wort, wenn einem die Fachbegriffe nur so „um die Ohren gehauen" werden. Manchmal gibt es für technischen Erklärungsbedarf ganze Wörterbücher. Leider geht es nicht immer ohne Fachchinesisch, insbesondere, wenn es sich um Begriffe der Drucktechnik handelt, die letztlich auch bei der Produktion der Werbemittelkennzeichnung angewandt werden. Um allen Anforderungen gerecht zu werden, bedarf es eines gewissen Hintergrundwissens, aus dem man schöpfen kann. Viele Begriffe aus dem Bereich der Werbemittelkennzeichnung gehen einher mit dem Wissen über die Herstellung und Kennzeichnung von Werbeprodukten. Es versteht sich eigentlich von selbst, dass man in der Werbung über die unterschiedlichsten Druckverfahren so weit Bescheid wissen sollte, um bei Bedarf Kunden optimal beraten zu können, welche Art der Werbemittelkennzeichnung für das betreffende Produkt am geeignetsten erscheint. Die Tatsache, dass in vielen Werbemittelkatalogen bereits auf das günstigste Druckverfahren hingewiesen wird, reicht häufig nicht aus, um alle druckrelevanten Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Ist der gewünschte Druck zum Beispiel mehrfarbig und dann vielleicht im Raster angelegt, so gilt es im Vorfeld zu klären, woher nun überhaupt die Druckvorlage kommen soll, die, wie der Name schon sagt, als Vorlage für diese Druckaufgabe dienen kann. Viele Kunden ist diese Frage egal. Hauptsache, Name oder Firmenlogo stehen gut sichtbar, bunt und breit auf dem Werbeprodukt, so dass man deutlich erkennen kann, von wem letztlich der Werbeträger kommt. Insofern entstammt also die Druckvorlage einer Idee, die dann in einem Satzgerät oder Computer gestaltet und in die eigentliche Text- oder Motivvorlage umgewandelt werden kann. Handelt es sich um einen einfarbigen Computerausdruck, so spricht man häufig von der Druckvorlage oder dem Layout (engl. Entwurf). Ist das Layout eine Papiervorlage, so muss, um daraus die richtige Druckvorlage erstellen zu können, zunächst ein Film hergestellt werden. Das geschieht in der Regel mittels Reprokamera. Mit der Reprokamera kann man die Druckvorlage vergrößern oder verkleinern, um sie auf die passende Größe zu reproduzieren, so dass daraus die notwendige Druckmatrize gefertigt werden kann. Dabei ist es sinnvoll, dass die Druckvorlage größer ist als der spätere Druck. Durch das optische Verkleinern einer Druckvorlage werden kleinere Unsauberkeiten minimiert und dadurch unsichtbar, während bei der Vergrößerung einer Vorlage auch kleine Fehler mit vergrößert werden, die dann unter Umständen aufwendig retuschiert werden müssen. Für den Tampondruck ist die Druckmatrize ein Klischee. Für niedrige Druckauflagen bis 10.000 Nutzen verwendet man häufig Klischees aus Kunststoff. Sind die Auflagen deutlich höher als 50.000 Nutzen, rechnet sich oft ein Stahlklischee, das zwar deutlich teurer als ein Plastikklischee ist, dafür aber bis zu einer Million Drucke schadlos überdauert. Doch wer benötigt schon 1 Million Werbeträger mit einem einzigen Werbeaufdruck? Es ist nicht allein eine Frage des Preises, welches Klischee man einsetzt. Auch die Qualität des Druckes ist abhängig vom Druckklischee. Stahlklischees werden häufig dann eingesetzt, wenn neben der hohen Standzeit auch auf besondere Druckqualität Wert gelegt wird. So, wie für den Tampondruck ein Klischee erstellt werden muss, um den eigentlichen Druck auszuführen, so benötigt man alternativ für den Siebdruck ein Sieb, um drucken zu können. Auch hier bedarf es als Druckvorlage eines Films, der in gleicher Weise für das Herstellen der Druckschablone genutzt wird. Es gibt jedoch technische Unterschiede zwischen einem Film für den Tampondruck und dem Film für den Siebdruck. Beide Filme müssen Positivfilme sein, wobei der Film für den Siebdruck seitenrichtig und der Film für den Tampondruck seitenverkehrt angelegt sein muss. Jeder Film besteht so gesehen aus zwei Teilen. Da ist zunächst der Träger, den man früher Zelluloid nannte. Heute ist das eine durchsichtige Folie aus Nitro- oder Acetylcellulose, auf der sich die lichtempfindliche Emulsion, auch Filmschicht genannt, befindet. Auf die Filmschicht kommt es an Wird nun der Film im Direktkontakt auf das Klischee kopiert, so muss beim Tampondruckklischee die Filmschicht unmittelbar auf dem Klischee liegen, damit Unterstrahlungen vermieden werden. Beim Siebdruck handelt es sich bekanntlich um ein Direktdruckverfahren, bei dem die Druckfarbe mit einer Gummirakel durch eine Siebschablone gedrückt wird. Bei der Herstellung des Drucksiebes wird der Film von der Rückseite auf die fotoempfindliche Schicht der Siebschablone kopiert und muss deshalb seitenrichtig, also auf der von oben lesbaren Seite des Filmes, sein. Seitenrichtiger Film bedeutet, dass sich die schwarze Fotoschicht auf der lesbaren Seite des Filmes befindet. Seitenverkehrte Filme sind demnach Filme, bei denen sich die Filmschicht von der lesbaren Seite aus gesehen auf der Rückseite des Filmes (also seitenverkehrt) befindet. Eine Druckvorlage kann demnach von einem Papierabzug mittels Reprokamera abfotografiert und dann in einen Film umgewandelt werden, der je nach Druckart entweder seitenrichtig oder seitenverkehrt sein kann. Sind diese Voraussetzungen für das entsprechende Druckverfahren vertauscht, so kann es je nach Motiv und Druckaufgabe zu Kopierfehlern kommen, die man Unterstrahlungen nennt. Beim Kopiervorgang kann Streulicht, sofern nicht Schicht auf Schicht, an dünnen Linien unter die Kopierschicht strahlen und dadurch feine Details oder Punkte, wie sie im Rasterdruck vorkommen, unterstrahlen und damit völlig auflösen. Die Folge wäre eine nicht vorlagengetreue Druckabbildung mit wenig Detailgenauigkeit. Es ist natürlich immer wichtig, dass die eigentliche Druckvorlage von guter Qualität ist. Bei jeder Kopie, und sei sie technisch noch so gut ausgeführt, verliert die Vorlage immer etwas an Substanz. Daher muss insbesondere bei der Herstellung der eigentlichen Druckvorlagen für Klischees und Siebe immer exakt darauf geachtet werden, dass durch die richtige Wahl der Druckvorlagen und der richtigen Filme - mit der jeweils seitenrelevanten Kopierschicht - ein Optimum an Genauigkeit eingehalten wird. Da wir nun wissen, dass eine Druckvorlage sowohl ein Papierabdruck als auch ein Film sein kann, ist es noch wichtig zu wissen, dass man nicht aus jeder gedruckten Papiervorlage auch eine geeignete Filmvorlage erstellen kann.
Oft aufwendige Nachbearbeitung
Zur Reprotechnik gehört auch das Wissen über die fototechnischen Eigenheiten der Filmtechnik. So gibt es sogenannte orthochromatische Filme, die in der Reprotechnik eingesetzt werden und zum Beispiel keine blaue Farbe erkennen können. Ist also die Druckvorlage blau, so kann diese nur mit panchromatischem Filmmaterial oder zusätzlichen Filtern kopiert werden. Der Aufwand für eine geeignete Reprovorlage sowohl für einen Tampon- wie auch Siebdruck kann also unter Umständen ganz erheblich sein, wenn die eigentliche Druckvorlage wie zum Beispiel Visitenkarte oder Briefbogen nicht über die erforderlichen Eigenschaften verfügt. Wer glaubt, dass er eine Druckvorlage so einfach mittels Computer einscannen kann, um sie dann zu überarbeiten und vielleicht auf diese Weise reproreif zu machen, wird häufig sehr schnell feststellen, dass man dafür ungewöhnlich viel Zeit aufwenden muss, bis das Ergebnis den Anforderungen entspricht.
Zauberwort DTP Das Zauberwort heisst DTP-Bearbeitung. Doch was das im einzelnen bedeutet, wird einem erst klar, wenn man selbst vor der Aufgabe steht, eine Vorlage so bearbeiten zu müssen, dass sie allen drucktechnischen Anforderungen entspricht. DTP, (Desk-Top-Publishing) hat sich seit der Einführung der Gestaltungssoftware für grafische Dokumente per Computer zu einem neuen, bis dahin für dieses Gebiet ungeahnten Hilfsmittel entwickelt. Damit hat sich insbesondere auch die Gestaltung von Layouts und Satzarbeiten wesentlich vereinfacht. Doch damit entstanden neue Bearbeitungsmerkmale und Fachbegriffe, die ihrerseits für die technische Anwendung von Bedeutung, jedoch in ungezählten Fällen äußerst erklärungsbedürftig sind. Dem Drucker von Werbemitteln ist es häufig am liebsten, wenn er die erforderlichen Druckvorlagen selbst erstellen kann. So kann er Einfluss nehmen auf das Druckformat, die Druckart und andere technische Voraussetzungen, die ein Kunde meist nicht voraussehen kann.
Beispiel Werbetasse Ein Beispiel aus dem keramischen Siebdruck soll das verdeutlichen. Ein zur Zeit beliebter Werbeartikel ist die Werbetasse. Ein Kunde wünscht sich zum Beispiel die Realisierung einer bildhaften Darstellung als Werbedruck auf einer solchen Kaffeetasse. Das Motiv wurde mit Liebe zum Detail von einer Grafikerin gezeichnet und coloriert. Dieses Motiv soll nun in Form eines vierfarbigen Siebdrucks auf Tassen übertragen werden. Als Vorlage dient eine A3-grosse Originalzeichnung, die nun auf das Format von ca. 7 x 16 cm verkleinert werden muss, damit sie optisch und gestalterisch auf die Werbetasse passt. Für den Drucker solcher Werbetassen stellt sich zunächst die Frage, ob das Motiv im Direktdruck auf die Tasse gedruckt werden kann oder ob besser ein Transfer hergestellt wird, welches dann als Abziehbild auf die Tasse aufgebracht und in einem separaten Vorgang eingebrannt werden muss. Dazu ist festzustellen, dass für den Direktdruck einer Tasse der Henkel bei der Abwicklung immer etwas im Wege ist und das Druckmotiv deshalb nicht bis zum Henkel durchgezogen werden kann. Des weiteren gilt: Eine bildliche Darstellung mit vielen Details und unterschiedlichen Farbzusammensetzungen kann im keramischen Siebdruck selten im Direktdruckverfahren ausgeführt werden. Dazu sind die Tassen als Vorprodukt viel zu ungleichmäßig, als dass man davon ausgehen könnte, sie passergenau bedrucken zu können. Selbst wenn das heute so wäre: Das viermalige erneute Einlegen der zu bedruckenden Tassen und das damit erforderliche viermalige Passern jeder Farbe würde eine notwendige Druckgenauigkeit im 1/10-mm-Bereich nicht zulassen. Das Motiv jedoch verlang diese Genauigkeit, und so bleibt nichts anderes übrig, als die Vorlage für einen Siebdrucktransfer zu entwickeln. Transferbilder werden auch im Siebdruck hergestellt und lassen sich sehr genau drucken, da sie dank genauer Druckmaschinen immer wieder exakt an der Passermarke angelegt werden können. Ein außerhalb der Druckposition mitgedrucktes Passerkreuz erleichtert die Einstellung des Druckbildes und seine laufende Kontrolle.
Keramische Druckfarben sind anders Doch damit noch nicht genug der Probleme: Die weit größere Problematik im keramischen Siebdruck sind die eigentlichen Druckfarben! Keramische Druckfarben können mit konventionell pigmentierten Druckfarben nicht verglichen werden und reagieren daher völlig unspezifisch. Während man bei normal pigmentierten Siebdruckfarben nach einer genormten Euro-Skalaeinstellung mit Gelb, Cyan, Magenta und Schwarz drucken kann, passt diese Farbskala nicht zu den keramischen Pigmenten. Keramische Farben unterliegen anderen farblichen Gesetzmäßigkeiten als Pigmentfarben. Während normal pigmentierte Siebdruckfarben untereinander mischbar sind und zudem ihre Farbintensität behalten, verändern sich keramische Pigmente untereinander durch das Verschmelzen in der Glasur.
Einbrennen verändert optischen Eindruck Keramische Farben werden nach dem Druck bei einer Temperatur von über 800 Grad Celsius in die Glasur eingebrannt, damit der Druck auch spülmaschinenfest ist. Allein durch das Einbrennen und Verschmelzen der Glasur verändern sich die Farben in ihrem optischen Eindruck. Hierzu kommt, dass Farben, die übereinander liegen oder auch eng nebeneinander gedruckt werden - wie das bei Rasterdruck notwenig ist -, dann miteinander verschmelzen und sich auf diese Weise zu einer eigenen, nicht immer kontrollierbaren Farbtönung vermischen. Die Folge ist, dass man - um Farbverfälschungen zu vermeiden - bestimmte Rasterfarben gegen Echtfarben austauscht. Das heißt, dass man zum Beispiel orange Farbtöne nicht durch Mischen von Rot und Gelb erzielt, da sich beide Farbtöne zu einer Mischung in Richtung Braun verwandeln würden. Der Farbton „Orange" wird gegen einen Vollton ausgetauscht, der dann nicht im Raster, sondern vollflächig gedruckt wird. Aufgrund dieser Eigenheiten kann aus einem geplanten Vierfarbdruck sehr schnell ein fünf-, sechs- oder sieben-farbiger Druck werden. Das wiederum bedeutet eine differenzierte Druckvorlagenerstellung mit den erforderlichen Filmen - passend für jede einzelne Farbe. Werden Siebdrucke teilweise oder auch vollkommen im Rasterdruck ausgeführt, so muss auf Grund der Gewebestruktur des Drucksiebes der jeweilige Film in einem ganz bestimmten Winkel erstellt und kopiert werden, damit kein Moiréeffekt entstehen kann. Der Moiréeffekt ist ein ungewolltes, schachbrettartiges Geistermuster, das entsteht, wenn man mehrere aufgerasterte Motive ohne Abgrenzung übereinander druckt. Durch Drehen des Rasterwinkels in einem bestimmten Verhältnis zur Gewebestruktur des Drucksiebes kann man diesem Effekt entgegenwirken. Zu dieser Technik gelangt man indes nur, wenn man die Eigenschaften einer solchen Bedruckung kennt und rechtzeitig darauf reagieren kann, noch bevor der eigentliche Druckeffekt dazu zwingt. Das Fazit solcher Überlegungen muss bereits bei der Gestaltung und Entwicklung einer Druckvorlage berücksichtigt werden, da man sonst durch eine Vielzahl der möglichen Probleme zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis kommen kann. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Studium der Druckvorstufe von besonderer Bedeutung. Gewiss kann man von einem Kunden nicht erwarten, dass er alle diese Probleme von selbst erkennt, doch der versierte und geschulte Werbemittelfachmann sollte einige Grundbegriffe der Druckvorstufe beherrschen, damit er seine Kunden entsprechend beraten und sie und sich vor möglichen Druckfehlern bewahren kann. Denn letztlich ist nur der gut beratene Kunde ein potentieller Kunde von Dauer. |
